Chronik ...


1. ... DER STADTBIBLIOTHEK POTSDAM

2. ... DER BRANDENBURGISCHEN LANDESBIBLIOTHEK

3. ... DER WISSENSCHAFTLICHEN ALLGEMEINBIBLIOTHEK DES BEZIRKES POTSDAM * WAB (B)

4. ... DER STADT- UND LANDESBIBLIOTHEK POTSDAM - SLB

5. STADT- UND LANDESBIBLIOTHEK POTSDAM EIN HISTORISCHER RÜCKBLICK







1. CHRONIK DER STADTBIBLIOTHEK POTSDAM








1 Gründung der Volksbücherei durch einen Volksbildungsverein in Potsdam. Sie verfügt über einen Bestand von 6 500 Bänden. Am 3.9.1899 wird, dem damaligen Trend folgend, eine Lesehalle eröffnet, die später mit der Volksbücherei vereinigt wird.

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1 Erste öffentliche Bücherei in Nowawes, jetzt Babelsberg, als sogenanntes gemeinnütziges Unternehmen des Vereins für Volksbildung gegründet. Anfangsbestand 900 Bände.

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1 Die Städtische Volksbücherei befindet sich in der Humboldtstr. 6, Palast Barberini. Sie meldet für das Jahr 1924 43 000 ausgeliehene Bände und 17 185 Besucher.

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1 In seinem Haushaltsplan für das Jahr 1927 weist der Magistrat der Residenzstadt Potsdam im Posten "Volksbücherei und Lesehalle" für 1926 den Betrag von 1 022,40 Mark aus dem Verkauf alter Bücher und Zeitschriften aus und bringt für Buchanschaffung 4 902,00 Mark, für die Verwaltung 2 308,00 Mark in Ansatz. Die Bücherei wird nebenamtlich geführt.

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1 Gründung der Stadtbücherei Babelsberg. Zusammenlegung mit den Büchereien des Vereins für Volksbildung und des Gewerkschaftkartells.

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1 Die StädtischeVolksbücherei wird neu organisiert. Die Räumlichkeiten im Palast Barberini werden erweitert. Der Bestand wird ergänzt und in zweckmäßigen Bücherregalen untergebracht.

Anstieg der Entleihungen auf 35 094, die Zahl der ausgestellten Leihkarten beträgt 1 468. Auch die Lesehalle erfreut sich einer stets wachsenden Inanspruchnahme. Die Besucherzahl steigt auf 33 782.

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1 Gründung der Potsdamer Musikbücherei mit einem Anfangsbestand von 14 000 Büchern und Musikdrucken. Sitz ist das Städtische Kulturhaus, Kurfürstenstraße 52.

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1 Am 14. April wird bei dem Luftangriff auf Potsdam die Städtische Volksbücherei im Palast Barberini völlig zerstört, die Musikbücherei wird nicht beschädigt.

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1 8. Mai: Ende des 2. Weltkrieges

Am 23. Mai verfügt der Kulturdezernent die Überführung von Teilen der Städtischen Bücherei Babelsberg und der Musikbücherei in Räume des Großen Waisenhauses in der Lindenstraße. Er ruft die Bevölkerung zu Spenden für die Bücherei auf. Leiter der Bibliothek ist Dr. Albert von Lauppert.

12. Dezember: Trotz enormer Schwierigkeiten beginnt die Städtische Bücherei mit 456 ausleihfertigen Büchern ihren Ausleihbetrieb auf dem Boden der Einsteinschule in der Hegelallee.

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1 Umzug der Städtischen Bücherei und der Musikbücherei in neue Räume in der Jägerallee 2.

Der Betrieb wird im Februar mit rund 500 ausleihfertigen Bänden wieder aufgenommen. Erstmalig nach 1945 erhält die Bücherei einen Etat von 5 650 RM zur Anschaffung neuer Bücher. Durch Beschlagnahme öffentlicher und privater Bibliotheken kommen ca. 5 500 Bände zum Bestand der Städtischen Bücherei.

Wiedereröffnung der Musikbücherei mit 1 140 ausleihfertigen Büchern und Musikdrucken. Leiterin wird Frau Gisela Wey.

Die Babelsberger Bibliothek wird im Januar neu eröffnet. Sie hat einen Bestand von 4 500 Bänden. Trotz der Eingemeindung von Nowawes durch Potsdam (1939) arbeiten die Büchereien unabhängig voneinander.

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1 Ab Juni können in der Städtischen Bücherei 3 950 Bücher entliehen werden. 5 250 Bücher warten noch auf ihre Einarbeitung. Die Zahl der Leser beträgt 755.

Große personelle Schwierigkeiten sind zu überwinden. Damals arbeiten neben der Leiterin, Frau Dorothea Hoenke, drei Diplom-Bibliothekare, eine technische Hilfskraft und ein Buchbinder in der Bibliothek.

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1 Im Mai wird der dringend benötigte Lesesaal behelfsmäßig mit 514 Bänden und 23 Zeitschriftentiteln eröffnet.

Im Oktober wird die Städtische Bücherei Potsdam als Ausbildungsbücherei anerkannt. Drei Schüler der Büchereischule Rostock kommen zu einem einjährigen Praktikum in die Potsdamer Bücherei, unter ihnen Herbert Ross, der zunächst Leiter der Landesstelle für Büchereiwesen wird und ab 1953 die Stadtbücherei übernimmt.

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1 Die Landesstelle für Büchereiwesen wird als nachgeordnete Fachstelle des Ministeriums für Volksbildung der Landesregierung Brandenburg gebildet. In den knapp fünf Jahren ihres Bestehens nimmt sie hauptsächlich folgende Aufgaben wahr:

Gründung, Reorganisation und bestandsmäßige Ergänzung von Bibliotheken, fachliche Aufsicht und Beratung, Qualifizierung, Ausbildung und Literaturpropaganda. Anfangs sind vier, später bis zu sieben Bibliothekare beschäftigt sowie eine Reihe technischer Kräfte.

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1 Im November Eröffnung einer Kinder- und Jugendbibliothek mit einem Anfangsbestand von 11 163 Bänden im Haus Jägerallee 2.

1952 wird auch ein Lesesaal für Kinder und Jugendliche eröffnet.

In der Musikbibliothek beginnt der Aufbau eines Schallplattenbestandes.

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1 August: Auflösung der Länder der DDR, Errichtung von Bezirken.

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1 Die Stadt- und Bezirksbibliothek Potsdam (SBB) wird gegründet.

Grundlage dafür ist die Anordnung des Ministeriums für Kultur "über die Verbesserung der wissenschaftlich-methodischen Arbeit im Bibliotheks- wesen".

Die SBB Potsdam besteht zur Zeit ihrer Bildung aus

Hauptbibliothek mit Lesesaal - Musikbibliothek

2 Zweigbibliotheken und 4 Ausleihstellen für Erwachsene

2 Kinderbibliotheken, davon eine mit Leseraum

Um ihre örtlichen und überörtlichen Funktionen zu erfüllen, werden drei Abteilungen gebildet:

Abteilung Ausleihe und Literaturpropaganda

Abteilung Arbeit mit dem Kinderbuch

Abteilung Methodik und Inspektion (Aufgaben der Landesstelle für Büchereiwesen) In statistischen Zahlen stellt sich die neue SBB dar: Bestand: 43 000 Benutzer: 6 058 Entleihungen: 92 500 Mitarbeiter: 34 Bibliothekare, Bibliothekshelfer und Verwaltungskräfte Leiter der Bibliothek ist Herbert Ross. Die Fachaufsicht über die SBB wird für die Arbeit in der Stadt vom Rat der Stadt und für die Arbeit im Bezirk vom Rat des Bezirkes wahrgenommen. Die finanzielle Sicherung erfolgt durch den Rat der Stadt.

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1 Die Stadtbibliothek Babelsberg wird Zweigbibliothek der Stadt- und Bezirksbibliothek Potsdam. Sie zieht mit der Erwachsenen- und Kinderbibliothek in das Rathaus Babelsberg, erhält dort eine verbesserte Unterbringung und wird in die Arbeit des Stadtnetzes integriert.

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1 Im Herbst wird der Um- und Ausbau der Hauptbibliothek in der Jägerallee zur Freihandbibliothek abgeschlossen.

Nach Erweiterung und Neuausstattung der Räume und dem Aufbau eines vielseitigen Katalogwerkes bildet die Hauptbibliothek einen Anziehungspunkt für Benutzer und Fachkollegen aus dem In- und Ausland.

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1 In allen Einrichtungen der SBB besteht Freihandausleihe. Die Gliederung der Buchbestände erfolgt nach der 1961 eingeführten "Systematik für die allgemeinbildenden Bibliotheken". Zahlreiche Bibliographien, Auswahlkataloge und Literaturverzeichnisse werden herausgegeben. Es stehen folgende Einrichtungen zur Verfügung:

Hauptbibliothek für Erwachsene - Musikbibliothek

4 Zweigbibliotheken und 8 Ausleihstellen für Erwachsene

Hauptbibliothek für Kinder

5 Zweigbibliotheken und 5 Ausleihstellen für Kinder

In statistischen Zahlen stellt sich die SBB dar:

Bestand: 111 416 Benutzer 16 266 Entleihungen 294 502

41 Mitarbeiter sind in der Bibliothek tätig.

Leiter der Bibliothek ist bis 1966 Herbert Ross und ab 1967 Klaus Kunkel.

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2.CHRONIK DER BRANDENBURGISCHEN LANDESBIBLIOTHEK








1 Gründung der wissenschaftlichen Zentralbücherei der Provinzialverwaltung Brandenburg, der späteren Landesbücherei Brandenburg in der Matthäikirchstraße 20/21 in Berlin. Die Gründung geht auf einen Beschluß des Provinziallandtages vom 25. Mai 1921 zurück. Der Anfangsbestand liegt bei 6 430 Bänden.

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1 September: Veröffentlichung der Benutzungsordnung, aus der hervorgeht, daß die Bücherei "für alle Beamten und Angestellten der Provinzialverwaltung, daneben (für) alle Personen, die sich einwandfrei ausweisen können und ein wissenschaftliches Interesse haben" zugänglich ist. Gemeint sind - so der Bericht des Rechnungshofes aus dem Jahr 1930 - Verwaltungsbeamte, Lehrer, Ärzte, Geistliche.

Die Landesbücherei sammelt von Beginn an das landeskundliche Schrifttum der Mark Brandenburg.

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1 Leiter der Bücherei wird Landesoberingenieur Schattschneider, dem der Archivar Johannes Schultze zugeordnet ist. Schattschneider führt zusätzlich die verwaltungstechnischen Geschäfte der Denkmalpflege, des Denk- mal- und Provinzialarchivs und der Naturdenkmalpflege.

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1 Vereinigung der Buchbestände des Landesarbeitsamtes mit denen der Landesbücherei.

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1 Der juristische Bestand der Landesbücherei wird auf aktuellen Stand gebracht. Besondere Pflege ist der landeskundlichen Literatur gewidmet. Durch antiquarischen Ankauf älterer Werke erfährt die Bücherei eine wertvolle Bereicherung.

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1 Insgesamt 116 Titel marxistischer, atheistischer und pazifistischer Autoren müssen laut Anordnung des Landesdirektors der Provinz Brandenburg in den Büchereien des Landes ausgesondert werden. Das betrifft auch Bestände der Brandenburgischen Landesbücherei. Nachdem 68 Titel vernichtet wurden, werden weitere Titel in der Landesbücherei verwahrt, wo sie zum Zwecke wissenschaftlicher Forschung auf begründeten Antrag hin mit besonderer Erlaubnis entliehen werden können. Unter diesen vor der Vernichtung geretteten Büchern sind Titel von Adler, Freud, Bebel, Kautsky und Scheidemann. Die Bibliothek hat zu diesem Zeitpunkt einen Bestand von ca. 12 000 Bänden.

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1 Die Landesbücherei erhält im Hause Matthäistraße 5 eine neue Heimstatt mit einem Lesesaal, der von Anfang an stark frequentiert wird.

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1 Übernahme des Fontane-Archivs durch die Landesbücherei.

Erwerb von rund 120 Briefen Fontanes sowie zahlreicher Erinnerungsstücke aus dem Arbeitszimmer Fontanes. Magazin, Lesesaal und Ausleihe der Landesbücherei werden modern ausgestattet und geordnet.

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1 Als erste Veröffentlichung des Archivs erscheint eine Lebensbeschreibung über Emilie Fontane. Leiter des Theodor-Fontane-Archivs wird Hermann Fricke.

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1 Verlegung von Teilen der Brandenburgischen Landesbücherei nach Potsdam, Alte Zauche 67, wo sich auch das Kulturamt der Provinzialverwaltung befindet. Man schätzt den Bestand auf ca. 25 000 Bände. Alle in Berlin zurückgebliebenen und in andere Orte Brandenburgs verlagerten Bücher sind durch die Kriegs- und Nachkriegsereignisse verlorengegangen.

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1 Die Archivalien des Fontane-Archivs werden nach Potsdam in die Kellerräume Alte Zauche 67 ausgelagert.

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1 Februar: Die letzte Buchbeschaffung der Brandenburgischen Landesbücherei vor Kriegsende. Es handelt sich um die Jahresgabe der Winckelmann-Gesellschaft, die die "Römischen Briefe" des Kunstschriftstellers Ludwig Fernow an seinen baltischen Freund Johann Pohrt enthält.

8. Mai: Ende des 2. Weltkrieges

August: Die Landesbücherei wird von der Provinzialverwaltung übernommen. In einer amtlichen Anordnung vom 8. August heißt es: "Es wird gebeten, für die Sicherung der Bestände weiterhin Sorge zu tragen und den Schutz der Bücher zu verbessern".

Der Präsident der Provinzialverwaltung Mark Brandenburg verpflichtet alle Verleger, je ein Exemplar sämtlicher in ihren Verlagen erscheinenden Bücher und sonstigen Druckmaterials als Belegexemplar (Pflichtexemplar) an die Provinzialverwaltung Mark Brandenburg abzuliefern.

Oktober: In einem Schreiben an das Dezernat für Archiv- und Büchereiangelegenheiten in Berlin vom 9. Oktober werden Aufgaben und Funktion der Brandenburgischen Landesbücherei beschrieben:

Sie ist wissenschaftliche Bücherei, deren Sammelgebiet das gesamte landeskundliche Schrifttum umfaßt. Nach einer ersten Schätzung macht dieses Schrifttum mindestens die Hälfte des Bestandes aus. Zum anderen hat sie als Verwaltungsbücherei den Mitarbeitern der Verwaltung das benötigte Schrifttum zur Verfügung zu stellen.

Der Präsident der Provinzialverwaltung Mark Brandenburg gibt der Bücherei eine Büchereiordnung und bestellt einen Büchereiverwalter.

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1 Nach einer Bestandssichtung wird deutlich, daß der Bücherei im Hinblick auf ihren Ausbau zu einer allgemeinen wissenschaftlichen, öffentlichen Bibliothek alles ausländische Schrifttum sowie ein ausgewogener Bestand an Nachschlagewerken fehlt. Desiderata in den einzelnen Sachgebieten werden benannt.

In Ausführung des Befehls Nr. 0249 der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD) vom 23.8.1946 wird mit der Requirierung von

Buchbeständen aus enteignetem und herrenlos gewordenen Grundbesitz begonnen.

Die Landesbücherei erhält etwa 100 000 Bände zur Verwahrung.

Oberregierungsrat Ferdinand Müller und die Bibliothekarin Frau Skerhut erkennen die Bedeutung dieser häufig landeskundlich akzentuierten Bestände und sorgen zunächst für eine separate Aufstellung und Signierung. Unter den Beständen befinden sich u.a. Sammlungen aus dem Besitz der Familien Hardenberg und Pückler.

Die Landesregierung in Potsdam konstituiert eine Landesbibliothek als "wissenschaftliche Zentrale der Buchvermittlung für das Land Brandenburg", die aus der Landesbücherei hervorgeht. 20 000 Bände des vorhandenen Bestandes sind ausleihfertig, der Buchanschaffungsetat beträgt 2 000 RM. Es wird sofort mit der Ausbildung für den mittleren Dienst an wissenschaftlichen Bibliotheken begonnen.

Leiterin der Bibliothek wird Frau Toni Skerhut.

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1 Beginn der Ausbildung von Bibliothekspraktikanten.

Als organisatorischer Leiter der Bibliothek amtiert bis Ende 1949 Hermann Wegert. Der Buchanschaffungsetat steigt auf 14 000 RM.

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1 März: Gründung der Brandenburgischen Landeshochschule. Wenig später wird die Landesbibliothek um die Funktionen einer Hochschulbibliothek erweitert und erhält den Namen "Brandenburgische Landes- und Hochschulbibliothek (LHB)". Das Personal der Bibliothek besteht zunächst aus dem Leiter der Bibliothek, einer Bibliothekarin und vier Hilfskräften.

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1 Leiter der Landes- und Hochschulbibliothek wird Ferdinand Müller.

März : Arbeitswoche der Referenten für das Bibliothekswesen der Ostzone in Potsdam. Im Protokoll dieser Tagung heißt es zu den Landesbibliotheken: "Ihnen fällt die Aufgabe zu, universal zu sammeln und neben der besonders landeskundlichen Literatur dieses Schrifttum gleichfalls für alle geistig interessierten Kreise bereitzustellen und zu erhalten".

November: Die Bibliothek übernimmt die Organisation des zentralen Leihverkehrs im Land Brandenburg.

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1 Nach Renovierungsarbeiten kommt es zur Wiedereröffnung der Landes- und Hochschulbibliothek. Von den 180 000 Bänden der Bibliothek sind inzwischen 100 000 Bände katalogisiert.

Die Einrichtung eines Lesesaals mit etwa 3000 Bänden und 25 Arbeitsplätzen ist in der Planung. Der Anschluß an den Leihverkehr der deutschen Bibliotheken wird vollzogen.

Joachim Schobeß übernimmt die Leitung des Fontane-Archivs.

Bestand: 2 511 Handschriften, 4 373 Fotokopien von Handschriften und Briefen, 2 500 Bände Fontane-Literatur und sämtliche Fontane-Erstaus- gaben.

Einrichtung eines "Fontane-Zimmers" in der Bibliothek.

Neuer Leiter der Bibliothek wird August Wülfrath.

Die Landeshochschule und mit ihr die Institutsbibliotheken werden dem Ministerium für Volksbildung unterstellt.

Die Landes- und Hochschulbibliothek wird im November 1949 aus dem Aufsichtsbereich dieses Ministeriums herausgenommen und der Abteilung Wissenschaft und Hochschule des Kulturministeriums unterstellt. Dadurch hat sie keine Weisungsberechtigung gegenüber den Institutsbibliotheken der Landeshochschule.

Die Bibliothek beginnt mit dem Aufbau eines pädagogischen Spezial- bestandes.

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1 Beginn des Schriftentausches mit insgesamt 400 Partnern in 20 Ländern. Zum Tausch angeboten werden u.a. wissenschaftliche Zeitschriften, Dissertationen, Publikationen des Fontane-Archivs. Erworben werden Monographien, vor allem der Gebiete Brandenburgica, Pädagogik und Medizin.

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1 Neufassung der Pflichtexemplarregelung für die drei Bezirke Potsdam, Cottbus und Frankfurt/Oder, die am 4. Juli 1960 ein weiteres Mal novelliert wird. Für diese drei Bezirke übernimmt die LHB Potsdam das Pflicht- exemplarrecht.

Vorübergehende Schließung der Bibliothek in der Alten Zauche. Für die Übergangszeit besteht in der Arbeiter- und Bauernfakultät der Pädagogischen Hochschule eine Ausleihstelle.

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1 Umzug der Landes- und Hochschulbibliothek mit dem Fontane-Archiv in die Dortustraße 30/34. Am 1.10.1956 Wiedereröffnung mit einem Lesesaal mit 500 in- und ausländischen Zeitungs- und Zeitschriftentiteln.

Die Bibliothek hat 23 Personalstellen.

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1 Herausgabe der ersten Regionalbibliographie unter dem Titel "Brandenburgische Literatur der Gegenwart".

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1 Konstituierende Sitzung des Bibliotheksrates, an dem Vertreter der Institutsbibliotheken teilnehmen. Es wird eine Erwerbungsabstimmung zwischen der Landes- und Hochschulbibliothek und den Institutsbibliotheken beschlossen. Gleichzeitig kommt man überein, einen Zentralkatalog in der LHB aufzubauen, an den die Institutsbibliotheken ihre Bestände und deren Veränderungen zu melden haben. Die LHB übernimmt die Verpflichtung, Bibliothekskräfte der Institute weiterzubilden.

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1 Neuer Leiter der Landes- und Hochschulbibliothek wird Dr. Heino Brandes.

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1 Die Ortsleihe steigt auf 41 764 Bände, im Lesesaal werden im gleichen Zeitraum 19 933 Bände eingesehen.

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1 Die LHB beschäftigt 38 Mitarbeiter, davon 9 Bibliothekare. Bei der Erfassung und Erschließung der brandenburgischen Literatur beschränkte sich die LHB nicht nur auf Publikationen in den Bezirken Potsdam, Frankfurt/O. und Cottbus, sondern bezieht auch Grenzregionen wie die gesamte Uckermark mit ein.

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1 In Vorbereitung auf die beabsichtigte Fusion der Brandenburgischen Landes- und Hochschulbibliothek und der Stadt- und Bezirksbibliothek Potsdam wird eine Analyse erarbeitet, aus der hervorgeht, daß es Überschneidungen bei den Benutzern der SBB und der LHB gibt.

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1 Das Fontane-Archiv wird aus der Landes- und Hochschulbibliothek herausgelöst und ab 1.1.1969 der Deutschen Staatsbibliothek (Berlin-Ost) angegliedert.

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3.CHRONIK DER WISSENSCHAFTLICHEN ALLGEMEINBIBLIOTHEK DES BEZIRKES POTSDAM * WAB (B)








1 Erlaß des Ministerrates der DDR, wonach die Einrichtung Wissenschaftlicher Allgemeinbibliotheken (WAB) in allen Bezirken empfohlen wird.

Juni: Die gesetzlichen Grundlagen zur Fusion der Brandenburgischen Landes- und Hochschulbibliothek mit der Stadt- und Bezirksbibliothek Potsdam zu einer dem Rat der Stadt Potsdam unterstehenden Einrichtung wird geschaffen. Gleichzeitig beschließt die Stadtverordnetenversammlung, einen Bibliotheksneubau am Platz der Einheit zu errichten.

Die beiden Bibliotheken gehen mit folgendem Potential in die Fusion:

Brandenburgische Landes- und Hochschulbibliothek: Bestand: 282 167 1 230 laufend gehaltene Zeitschriften, davon über 400 ausländische Periodika Benutzer: 4 391 Ortsentleihungen: 35 886 Lesesaalentleihungen: 21 789 Fernleihe: 8 587 Bestellungen.

Stadt- und Bezirksbibliothek Potsdam:

Bestand: 135 482 Benutzer: 18 053 Entleihungen: 321 421. Neben der Hauptbibliothek in der Jägerallee 2 besteht ein Netz von neun Zweigbibliotheken und 12 Ausleihstellen. Konzipierung eines Stufenplanes, nach dem "aus zwei strukturell getrennten, von verschiedenen Behörden angeleiteten Bibliotheken, die sich in jahrzehntelanger Arbeit eigenständig entwickelten, eine wissenschaftliche Allgemeinbibliothek mit neuer Qualität aufzubauen" ist.

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1 Am 1. Januar wird die Wissenschaftliche Allgemeinbibliothek des Bezirkes Potsdam gegründet. Diese Bibliothek sichert die Literaturversorgung der Bevölkerung durch die Sammlung und Bereitstellung von wissenschaftlicher Literatur, Spezialliteratur, allgemeinbildender Literatur, schöngeistiger Literatur, Kinderliteratur sowie Tonträgern. Gleichzeitig ist sie das methodische Zentrum für die Bibliotheksarbeit im Bezirk, wird Leitbibliothek für die Fernleihe und den internationalen Schriftentausch. Zu ihren wesentlichen Aufgaben gehört die Sammlung der regionalkundlichen Literatur, die Wahrnehmung des Pflichtexemplarrechtes für die Bezirke Potsdam, Cottbus und Frankfurt/Oder sowie der Ausbau der Sammelschwerpunkte Pädagogik und Medizin. Direktor: Dr. Heino Brandes.

Beginn des wöchentlichen Kurierdienstes im Bezirk Potsdam zur schnelleren Literaturversorgung der Fachbibliotheken bzw. Informationsstellen und der medizinischen Einrichtungen.

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1 Einführung der ersten einheitlichen Benutzungsordnung für alle Einrichtungen der WAB (B). Bildung einer einheitlichen Leihverkehrsabteilung. Das Sigel 186 wird eingeführt. Veröffentlichung der ersten Bestands- konzeption.

Im Mai wird ein Bibliotheksbeirat berufen, der aus Vertretern der Benutzer sowie verschiedener Einrichtungen besteht.

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1 Einführung einer einheitlichen Benutzerkarte und einer einheitlichen Statistik für die in zwei Häusern arbeitende Bibliothek.

November: Grundsteinlegung für den Bibliotheksneubaus.

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1 Inbetriebnahme einer Fahrbibliothek mit 5 000 Bänden. Sie versorgt Stadt- randgebiete und Neubauzentren. Das Statut der WAB (B) wird durch die Stadtverordnetenversammlung bestätigt. Beginn der Zusammenführung der alphabetischen Kataloge beider Teilbibliotheken.

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1 5. Oktober: Öffentliche Schlüsselübergabe und Eröffnung des Neubaus im Zentrum der Stadt. Nach Profilierung des Wissenschaftlichen Altbestandes wird der Umzug dieser Bestände aus verschiedenen Außenmagazinen in das fertiggestellte Magazin des Neubaus vorgenommen.

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1 Oktober: Eröffnung einer Artothek mit einem Anfangsbestand von 264 Reproduktionen. Ab 1978 werden auch Originalgrafiken in den Bestand aufgenommen. Nach Eröffnung des Neubaus werden die höchsten Benutzer- und Entleihungszahlen in der bisherigen Geschichte der Bibliothek erzielt. Es werden 36 229 Benutzer gezählt. Die Zahl der Entleihungen beträgt 615 099 Bände.
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1 Auf Grund des hochspezialisierten Bestandes an medizinischer Literatur wird eine bezirkliche Vereinbarung zur Übernahme der Funktion als Medizinische Bezirksbibliothek getroffen.

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1 Die WAB (B) ist Gastgeberin des Internationalen Seminars für Bibliothekare aus Entwicklungsländern, das in Abstimmung mit der IFLA vom Bibliotheksverband der DDR als Preseminar der 44. Generalversammlung der IFLA durchgeführt wird.

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1 Beginn mit der Umsystematisierung der Freihandbestände nach der neuen verbindlichen Klassifikation für Allgemeinbibliotheken (KAB).

Übernahme der Rudolf-Schmidt-Bibliothek, einer regionalgeschichtlichen Literatursammlung von 7 000 Bänden.

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1 Zur gesicherten Unterbringung des Wissenschaftlichen Altbestandes wird die erste Hebelschubanlage in Betrieb genommen.

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1 Eine umfassende Inventur des Wissenschaftlichen Altbestandes wird abgeschlossen. Dieser Bestand umfaßt 31 419 Bände, darunter wertvolle Ausgaben aus dem 16. bis 19. Jahrhundert.

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1 Der Verlag für Kunst und Wissenschaft "Edition - Leipzig" druckt aus dem Bestand der WAB (B) das aus dem 16. Jahrhundert stammende Buch von Jost Amman "Neue Livische Figuren" als Reprintausgabe.

Im Mai wird die Zweigbibliothek "Lenné" im Wohngebiet Schlaatz eröffnet.

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1 Im März Eröffnung der neuerbauten Zweigbibliothek "Pablo Neruda" im Neubaugebiet Potsdam Waldstadt als kombinierte Einrichtung für Erwachsene, Jugendliche und Kinder.

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1 Im November führt die Abteilung Methodik die 20. Arbeitstage für Leiter von Stadt- und Kreisbibliotheken durch.

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1 Eröffnung der Zweigbibliothek "Am Stern". Sie arbeitet ebenfalls als kombinierte Einrichtung für Erwachsene, Kinder und Jugendliche.

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1 Die Statistik dieses Jahres weist folgende Daten aus: Bestand: 871 085 Benutzer: 45 498 Entleihungen: 880 473.

Die Zahl der Mitarbeiter erreicht mit 158 ihren Höchststand.

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1 Zum neuen Direktor der Bibliothek wird Bibliotheksrat Norbert Schiller ernannt.

Schwerpunkt der bibliothekarischen Arbeit ist die Umprofilierung und Aktualisierung der Buchbestände. Große Unterstützung bei diesen Bemühungen wird von der Partnerstadt Bonn und deren Stadtbücherei gewährt. Fördermittel des Bundes und des Landes unterstützen diesen Prozeß.

Juli: Inkrafttreten des Ländereinführungsgesetzes. Es entsteht das Bundesland Brandenburg.

Oktober: Wiedervereinigung Deutschlands

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1 Mai: Runderlaß des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur zur Errichtung und Tätigkeit der Staatlichen Fachstelle für Öffentliche Bibliotheken im Land Brandenburg zum 1. 6. 1991. Die Abt. Methodik der WAB (B) übernimmt im Zusammenschluß mit den Partnerabteilungen in Cottbus und Frankfurt/Oder diese Funktion und wird nachgeordnete Einrichtung des Landes.

Juli: Presseerklärung des Personalrats der Bibliothek zum Erhalt der Bibliothek im Stadtzentrum Potsdams. Im August 1991 sprechen sich in einer Unterschriftensammlung 10 000 Potsdamer Bürger für den Erhalt der Bibliothek als einer Einrichtung aus, die auch weiterhin städtische wie regionale Aufgaben wahrnehmen soll.

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1 Januar: Bildung einer Strukturarbeitsgruppe aus Vertretern des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur, der Stadt Potsdam, des DBI und der Bibliothek.

März: Das älteste gedruckte Buch des Landes Brandenburg, der "Marienpsalter", wird der Bibliothek durch den Minister für Wissenschaft, Forschung und Kultur übergeben.

Juni: Gabriele Fischer wird amtierende Direktorin der Bibliothek.

Juli: Übernahme einer amerikanischen Truppenbibliothek mit insgesamt 21 000 Bänden.

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4. CHRONIK DER STADT- UND LANDESBIBLIOTHEK POTSDAM - SLB








1 2. November: Unterzeichnung der Vereinbarung zum Betrieb der Stadt- und Landesbibliothek Potsdam durch den Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Potsdam, Dr. Horst Gramlich und dem Minister für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg, Hinrich Enderlein mit Rückwirkung zum 1.1.1992.

Dezember: Gutachten über die Aufbauorganisation der Stadt- und Landesbibliothek Potsdam von Prof. Dr. Konrad Umlauf.

Schließung aller Ausleihstellen.

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1 Januar: Die Stadt- und Landesbibliothek erhält eine neue Organisationsstruktur. Damit verbunden ist die Ausschreibung aller Stellen, um die sich alle Mitarbeiter bewerben können. Der Personalstand kann aufgrund einer Vorruhestandsregelung auf 105 Mitarbeiter reduziert werden. Aus Solidarität gehen Kollegen in ihrer Dienststundenzahl zurück, um anderen Kollegen den Arbeitsplatz zu erhalten. Bestand: 732 394 Entleihungen: 777 069 Benutzer: 27 377.

Mit der Einrichtung von Lektoraten und Referaten wird begonnen.

Juli: Die Stadt- und Landesbibliothek wird ein eigenständiges Amt in der Stadtverwaltung.

Die Stadtverordnetenversammlung beschließt die Satzung sowie die Benutzungsordnung und Gebührensatzung der Stadt- und Landesbibliothek. Die Bibliothek verfügt über einen Medienetat von 1 079 070 DM. Eröffnung einer Zweigbibliothek im Neubaugebiet Drewitz. Sie arbeitet als Kinder- und Jugendbibliothek.

Vorbereitende Arbeiten zur Einführung der EDV beginnen.

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1 Herausgabe eines Bibliothekenführers für die Landeshauptstadt Potsdam unter der redaktionellen Führung der SLB. An der konzeptionellen Erarbeitung wirken die Universitätsbibliothek Potsdam und die Fachhochschulbibliothek Potsdam mit.

Juli: Der private Sammler Fritz Wüllner übereignet der Bibliothek seine umfangreiche Gottfried-Benn-Sammlung, die zweitgrößte in Deutschland. August: Aufbau eines Bestandes von CD-ROM Datenbanken.

September: Die "Verordnung des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur zur Durchführung des Brandenburgischen Pressegesetzes über die Anbietung und Ablieferung von Pflichtexemplaren an die SLB Potsdam" legt die neuen Verbindlichkeiten fest. Beginn der Sozialen Bibliotheksarbeit.

Beginn der Katalogisierung auf der Grundlage der Software BIS-LOK.

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1 Einführung des elektronischen Kataloges OPAC, der Haupt- und Dienstkataloge - bisher als Zettelkataloge geführt - ersetzt.

Januar: Einführung einer Jahresgebühr auf Beschluß der Stadtverordnetenversammlung vom 02.11.94.

Februar: Die Stadtverordnetenversammlung beruft Gabriele Fischer zur Direktorin der Stadt- und Landesbibliothek.

Mai: Konzipierung des Sammelgebietes DDR-spezifische Literatur.

September: Mit Folge 20 ändert die "Brandenburgische Literatur der Gegenwart" ihren Namen in "Brandenburgische Bibliographie" um. Dieses Verzeichnis weist die ereignisreichen Jahre von 1989 und 1990 nach.

November: Die Stadtverordnetenversammlung stimmt dem Antrag der Fraktion Bürgerbündnis zum Erhalt des Standortes der Stadt- und Landesbibliothek zu. Der Antrag wird um die Sätze ergänzt: "Der zentrale Standort der Stadt- und Landesbibliothek im Bereich Am Kanal / Friedrich-Ebert-Straße / Am Alten Markt wird nicht in frage gestellt. Der Bibliothek muß auch künftig ein eigenes Gebäude in qualifizierter Form zur Verfügung gestellt werden". Es war geplant, am Standort der Bibliothek ein Kaufhaus zu errichten.

Oktober: Die Artothek begeht ihr 20jähriges Bestehen.

Dezember: Abschluß eines befristeten Leihvertrages zwischen der Landeshauptstadt Potsdam und der Stadt Cottbus zum Pückler-Bestand. Die Stadt- und Landesbibliothek überläßt dem Fürst Pückler Museum, Park und Schloß Branitz, bis 31. 12. 2005 die Sammlung der Familie Pückler/ Callenberg.

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1 Februar: Beschluß zur Umrüstung des EDV-Systems der Bibliothek auf das Programm HORIZON. Schrittweise Einführung eines CD-ROM-Netzwerkes.

April: Eine Auswahl der von Hermann Fellien rekonstruierten und aufgearbeiteten Potsdamer Karthographie aus den Jahren 1317 bis 1988 geht in den Bestand der Brandenburgica über.

Mai: Beginn der Veranstaltungsreihe "Willkommen in Brandenburg - Zur Landeskunde der Mark", an der sich Fachminister und Fachwissenschaftler beteiligen.

Juni: Veröffentlichung der Bestandskonzeption der SLB.

November: Internet-Start durch den Oberbürgermeister Dr. Horst Gramlich.

Die Profilierung der Medienbestände wird abgeschlossen. Die Bestandszahl beläuft sich nun auf 694 000 ME.

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1 Mai: Beginn des Projektes "Buchpatenschaften" unter der Schirmherrschaft des Ministers für Wissenschaft, Forschung und Kultur, Steffen Reiche. Ziel ist, finanzielle Mittel für die Restaurierung wertvoller Bücher des universalen und regionalkundlichen Altbestandes einzuwerben.

Juni: Übernahme des Nachlasses von Prof. Friedrich Mielke, eines bedeutenden Potsdamer Denkmalpflegers und Heimatforschers.

Juli und September: Schließung der Zweigbibliotheken am Schlaatz und in Drewitz im Vorgriff auf die Eröffnung des Medienforums im Neubaugebiet Kirchsteigfeld.

Das Medienforum kombiniert die Dienstleistungen einer Zweigbibliothek mit dem Angebot einer Stadtteilvolkshochschule, dem Angebot des Kulturamtes und des Vereins KiK e. V. (Kultur im Kirchsteigfeld).

November: Eröffnung des Medienforums im Kirchsteigfeld.

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5. STADT- UND LANDESBIBLIOTHEK POTSDAM
EIN HISTORISCHER ÜBERBLICK




Ursprünge


Klein angefangen haben beide Vorgängereinrichtungen der heutigen Stadt- und Landesbibliothek Potsdam. Sowohl in der 1874 durch die "Gesellschaft für die Verbreitung von Volksbildung" gegründete Volksbücherei als auch in der Landesbücherei, die entsprechend einem Beschluß des Provinziallandtages vom 25. Mai 1921, 1922 gegründet wurde, standen anfangs nur ca. 6 000 Bände in den Regalen.

In der Landesbücherei, die sich bis 1939 in Berlin befand, hatten sich schon wenige Jahre nach ihrer Gründung zwei Abteilungen gebildet, eine Verwaltungsbücherei und eine "Bildungsbücherei", in der ein wissenschaftlicher Universalbestand aufgebaut und die landeskundliche Literatur gepflegt sowie aus antiquarischen Ankäufen komplettiert wurde. Dieser Doppelcharakter bestand bis 1946 fort.

Von 1935 bis 1968 war das Fontane-Archiv ein Teil der Landesbücherei bzw. der späteren Brandenburgischen Landes- und Hochschulbibliothek. Erst 1969 kam es an die Deutsche Staatsbibliothek (Ost) nach Berlin. Inzwischen ist das Archiv als selbständige Landeseinrichtung nach Potsdam zurückgekehrt.

Mit etwa 25 000 Bänden zog die Brandenburgische Landesbücherei 1939 von Berlin nach Potsdam, wo sie in der Alten Zauche, in unmittelbarer Nachbarschaft des Kulturamtes der Provinzialverwaltung, ihr neues Domizil fand.

Die zweite Vorgängereinrichtung, die Städtische Volksbücherei, war seit 1925 zentral im Palast Barberini, in Nähe des Stadtschlosses, untergebracht. 1929 kamen neue Räume, neues Mobiliar und ein modernes Verbuchungsverfahren hinzu. Der Buchbestand wurde durch zahlreiche Ankäufe beträchtlich erweitert, so daß die Benutzer- und Ausleihstatistik gegenüber 1925/1926 einen deutlichen Trend nach oben auswies.

Beim Luftangriff auf Potsdam am 14. April 1945 wurde die Bibliothek völlig zerstört. Hingegen blieb die 1939 gegründete Städtische Musikbücherei, die sich im Städtischen Kulturhaus (ehemaliges Gebäude der Loge Teutonia) in der Kurfürstenstraße befand, von Kriegseinwirkungen verschont.

Die Zeit des Nationalsozialismus hat in beiden Einrichtungen Spuren hinterlassen. Für 1933 läßt sich die Aussonderung von marxistischer, atheistischer und pazifistischer Literatur sowie die zwangsweise Einstellung von Literatur "zur Volkserneuerung" in der Landesbücherei nachweisen.





Die Jahre 1945 bis 1968


Obwohl der Krieg zu unwiederbringlichen Verlusten geführt hatte, wurde umgehend mit dem Wiederaufbau der Potsdamer Bibliotheken begonnen. Der Oberbürgermeister von Potsdam rief die Bevölkerung der Stadt am 6. Juni 1945 dazu auf, den Neuaufbau der "völlig vernichteten Städtischen Leihbücherei" tatkräftig zu unterstützen. Eine amtliche Anordnung der Provinzialverwaltung vom 8. August 1945 verpflichtete die Leitung der Landesbücherei, für die Sicherung und den Schutz der Bestände Sorge zu tragen.

Und schließlich wurden laut dem am 15. September 1945 erlassenen Befehl des Obersten Chefs der Sowjetischen Militärverwaltung in Deutschland, Marschall Shukow, alle Bibliotheken angewiesen, ihre Bestände von nationalsozialistischer und Kriegsliteratur zu säubern.

Mit dem Ausleihbetrieb konnte die Städtische Volksbücherei in den Räumen des Großen Waisenhauses (Lindenstraße) bereits am 12. Dezember 1945 wieder beginnen.

Von entscheidender Bedeutung für die Weiterentwicklung der Potsdamer Bibliotheken waren u.a. die Gründung der Brandenburgischen Landeshochschule 1948, die Gründung der Landesstelle für Büchereiwesen 1950, die Auflösung der Länder und die Errichtung von Bezirken auf dem Gebiet der DDR 1952, der Erlaß des Ministerrates der DDR zur Errichtung Wissenschaftlicher Allgemeinbibliotheken 1968.





Die Brandenburgische Landesbücherei wird zur Brandenburgischen Landes - und Hochschulbibliothek (LHB)


Die Brandenburgische Landesbücherei mit erweitertem öffentlichen Zugang und einer strikten Ausrichtung auf die Versorgung mit wissenschaftlicher und regionalkundlicher Literatur wurde nach Gründung der Brandenburgischen Landeshochschule ab dem 9. März 1948 als Brandenburgische Landes- und Hochschulbibliothek (LHB) fortgeführt.

Da die Bibliothek einem anderen Ministerium als die neue Landeshochschule mit ihren Institutsbibliotheken unterstand, konnte sie zu keinem Zeitpunkt in die Funktion einer zentralen Hochschulbibliothek hineinwachsen.

Der Bestand der Landes- und Hochschulbibliothek setzte sich zusammen aus den Beständen der ehemaligen Brandenburgischen Landesbücherei, aus Beständen, die gemäß Befehl Nr. 0249 der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD) über die "Rückführung von Buchbeständen und Verwendung herrenloser Bibliotheken und Literatur" in die LHB gelangten und dort den Wissenschaftlichen Altbestand beträchtlich erweiterten sowie dem Neuankauf wissenschaftlicher Literatur.

In den neuen Räumen der LHB in der Dortustraße 30-34 konnten die Arbeitsbedingungen für Mitarbeiter und Nutzer beträchtlich verbessert werden. Es stand ein ausgebautes Katalogwerk zur Verfügung, zahlreiche Bestands- und Auswahlverzeichnisse erschienen, die Bibliographie "Brandenburgische Literatur der Gegenwart" kam seit 1958 kontinuierlich heraus. Ein umfassender bibliographischer Handapparat erleichterte die Recherche sowohl für Benutzer als auch für die Fernleihe. Im neu gestalteten Lesesaal konnten zahlreiche in- und ausländische Zeit-schriften sowie pädagogische Dissertationen aus der Landeshochschule, die seit 1948 eine Pädagogische Fakultät besaß, eingesehen werden.

Die wichtigsten Sammelgebiete der LHB waren die Brandenburgica, der pädagogische Schwerpunktbereich, die Medizin und der Altbestand.




Brandenburgica

Zu den genuinen Aufgaben einer Landesbibliothek gehört die Sammlung regionalkundlicher Veröffentlichungen über das Land sowie Darstellungen zu Persönlichkeiten, die im Verlauf ihres Lebens und ihrer Tätigkeit mit dem Land verbunden waren. Die Anfänge der landeskundlichen Sammlung reichen in das Jahr 1922 zurück.

Nach dem II.Weltkrieg, in der Zeit von 1950 bis 1968, begann eine wichtige Phase des Wiederaufbaus und der Konsolidierung dieser Sammlung, die seit 1956 den Namen "Brandenburgica" trägt. Der Bestand gliedert sich in einen entleihbaren Freihandbestand und in den zur Präsenznutzung vorgesehenen Studien- und Magazinbestand. Die Durchführung der Pflichtexemplar-Anordnung vom 4. Juli 1960 für die Bezirke Potsdam, Cottbus und Frankfurt/Oder oblag der LHB. Über die Abgabepflicht der Verlage wurde eine so gut wie vollständige Erfassung des regionalkundlichen Schrifttums erreicht.




Pädagogischer Sammelschwerpunkt

1956 erging der Auftrag an die LHB, verstärkt pädagogisches Schrifttum zu sammeln und zu erschließen. Dieser Sammelschwerpunkt gehörte zu den stark wissenschaftlich genutzten Bereichen der Bibliothek. 1968 verfügte der Bestand an pädagogischer Literatur über 55 000 Bände und über 120 laufend gehaltene Zeitschriftentitel. Im Laufe der Jahre wurde eine Sondersammlung außerhalb der DDR erschienener deutschsprachiger Schulbücher aufgebaut, eine Sammlung Pädagogischer Dissertationen und Habilitationsschriften aus beiden deutschen Staaten sowie eine Sammlung zur Sonderpädagogik "Das behinderte Kind". In regelmäßigen Abständen erschienen die Neuerwerbungsverzeichnisse "Pädagogische Dissertationen" und "Pädagogische Literatur".




Medizin

Vom 15. August 1949 existiert ein Aktenvermerk zur "Einrichtung einer medizinischen Fachabteilung der Landes- und Hochschulbibliothek". Aus der früheren Brandenburgischen Landesbücherei konnte ein Grundstock an Literatur zu den Gebieten Medizinverwaltung, Hygiene, Seuchenbekämpfung, Medizinalstatistik übernommen werden. Hinzu kamen 800 Bände medizinischer Literatur aus dem Besitz eines Arztes. Diese wertvolle Bibliothek wurde der Landes- und Hochschulbibliothek am 1. August 1949 übergeben.




Altbestände

Den Grundstock bildeten Buchsammlungen der Brandenburgischen Landesbücherei. Bestände unterschiedlicher Herkunft kamen hinzu. Besonders zu erwähnen sind die Sammlungen des Staatskanzlers Karl August von Hardenberg mit etwa 3 200 Titeln und des Landschaftgestalters Hermann Ludwig Fürst von Pückler mit 1 400 Titeln.





Die Städtische Bücherei wird 1954 zur Stadt- und Bezirksbibliothek Potsdam (SBB)


Wenige Jahre nach Einrichtung der Bezirke, im Jahre 1954, bekam die in der Jägerallee 2 befindliche Städtische Bücherei den Status einer Stadt- und Bezirksbibliothek. Integriert war die Abteilung "Methodik und Inspektion", die die öffentlichen Büchereien im Bezirk beriet und betreute.

Die Beschaffung neuer Bücher und der Aufbau eines differenzierten Katalogwerkes waren die dringlichsten Aufgaben der ersten Jahre. Der Bestand der SBB setzte sich aus Teilen der Babelsberger Bücherei, aus geschenkten und beschlagnahmten Büchern, aus dem Bestand der unversehrt gebliebenen Musikbibliothek sowie aus Neuankäufen zusammen.

Die Entwicklung vielfältiger Methoden der Literaturvermittlung - erste Auswahlverzeichnisse erschienen - war die Voraussetzung für die Gewinnung neuer Leser.

1962 war der Um- und Ausbau der SBB zur Freihandbibliothek abgeschlossen.

In dieser Zeit wurde der schon einige Jahre früher begonnene gezielte Aufbau eines Netzes von Zweigbibliotheken für Erwachsene, Jugendliche und Kinder fortgesetzt. Dabei war der Arbeit mit Kindern, den künftigen Lesern, seit jeher große Bedeutung beigemessen worden.

1951 wurde eine Kinder- und Jugendbibliothek mit Lesesaal als Teil der Städtischen Bücherei mit einem Anfangsbestand von 11 200 Bänden eröffnet.

Die Bibliotheksarbeit mit Kindern erschöpfte sich nicht in der Bereitstellung entsprechender Literatur. Mit gezielter Programmarbeit in Form von literarischen Veranstaltungen, Puppentheateraufführungen, Mal- und Bastelzirkeln sollten Kinder und Jugendliche erreicht werden.

Im November 1952 wurde in der damaligen Leninallee erstmals eine Laden-Freihandbibliothek eröffnet, der 1955 die Eröffnung einer Kinderbibliothek folgte.

1956 kam es zum Anschluß der bereits 1928 gegründeten Stadtbücherei Nowawes (später Babelsberg) an die Stadt- und Bezirksbibliothek Potsdam.

Das Dienstleistungsangebot der SBB war nicht allein auf die Stadt Potsdam beschränkt.

Nach Auflösung der Landesstelle für Büchereiwesen nahm die Bibliothek mit ihrer Abteilung "Methodik und Inspektion" Aufgaben für den Bezirk Potsdam wahr. Die fachlich-methodische Anleitung der Stadt- und Kreisbibliotheken bestand u.a. darin, beim Bestandsaufbau, der Bestandserschließung und -vermittlung Hilfen zu geben, über neue Techniken zu informieren und den Räten der Kreise Vorschläge zum Bau und zur Einrichtung von Bibliotheken zu unterbreiten.

Zusätzlich wurde die Weiterbildung haupt- und nebenberuflich tätiger Bibliotheksmitarbeiter verstärkt.





Die Jahre 1969 bis 1991

Die Wissenschaftliche Allgemeinbibliothek des Bezirkes Potsdam



Die Bibliotheksverordnung der DDR aus dem Jahr 1968 sah die Bildung von Wissenschaftlichen Allgemeinbibliotheken in den damals 15 Bezirken vor.

Zu diesem Zeitpunkt arbeiteten in Potsdam zwei selbständige, unterschiedlichen Unterhaltsträgern unterstellte große Bibliotheken. Beide Einrichtungen hatten in den gut 20 Jahren ihres Bestehens eine ihrem Bibliothekstyp entsprechende Entwicklung genommen, ihre Dienstleistungen waren auf unterschiedliche Nutzergruppen eingestellt. Viele Bürgerinnen und Bürger nutzten deshalb beide Einrichtungen. Räumlich waren beide Bibliotheken an ihre Grenzen gelangt.

Es ist dieser spezifischen Potsdamer Situation geschuldet, daß hier so schnell und konsequent, wie in keinem anderen Bezirk, bereits im Juni 1968 der Rat der Stadt und der Rat des Bezirkes die Bildung der Wissenschaftlichen Allgemeinbibliothek des Bezirkes Potsdam beschlossen.

So folgte am 1. Januar 1969 die Fusion der LHB und der SBB. Zum gleichen Zeitpunkt lagen auch schon Bebauungspläne für das von Kriegsschäden gezeichnete Stadtzentrum vor, die auch den Bau eines neuen Bibliotheksgebäudes vorsahen.

Die neue Bibliothek war laut Statut vom 18.10.1972 gehalten, ihre Aufgaben mit anderen Bibliotheken in der Region abzustimmen und Kooperationsvereinbarungen zu treffen. Sie war wissenschaftliches Bestandszentrum und bediente die örtliche und überörtliche Nachfrage. Gleichzeitig hatte sie sich das Ziel gesetzt, einen Bestand aufzubauen, der den Bedürfnissen nach einer "breiten ... Literaturversorgung und Literaturinformation" der Bevölkerung entsprechen sollte.

Die Realisierung dieses neuen Bibliothekstyps war ein Prozeß, bei dem in den Jahren 1969 bis 1974 wichtige Anforderungen gleichzeitig zu bewältigen waren: Die Zusammenführung von Beständen und Katalogen, die Lösung bibliotheksorganisatorischer und personeller Fragen, die Planung und Vorbereitung des im Stadtzentrum zu errichtenden Bibliotheksneubaus.

In diesen Jahren rückten die Mitarbeiter aus beiden Bibliotheken, die unterschiedliche Ausbildungswege und Bibliothekserfahrungen hinter sich hatten, enger zusammen, um den neuen Aufgaben gerecht zu werden. Das war die vielleicht wichtigste Voraussetzung für einen innovativen Leistungsschub nach vorn.

Der Bestand wuchs schnell auf weit über eine halbe Million Einheiten, die Benutzer- und Entleihungszahlen verdoppelten sich.

Durch Konzentration der Mittel und die damit verbundene gute personelle Ausstattung wurde die WAB (B) in die Lage versetzt, umfangreiche Funktionen zu übernehmen. So war sie zuständig für die Brandenburgica, die Sammlung der regionalkundlichen Literatur über die Bezirke Potsdam, Cottbus und Frankfurt/Oder und das Pflichtexemplarrecht. Von ihr wurde die Regionalbibliographie herausgegeben. Nachlässe, wie etwa die 6 000 Monographien des Eberswalder Regionalforschers Rudolf Schmidt, erweiterten den Bestand der Brandenburgica ebenso wie die heute 9 300 Aufnahmen umfassende Postkartensammlung.

Der Sammelschwerpunkt Pädagogik erfuhr durch Abstimmung mit anderen Bibliotheken eine Spezialisierung. Der Sammelschwerpunktplan der DDR in seiner 2. Auflage wies der WAB (B) Potsdam das Gebiet Lehrerbildung zu. Es kam in der Folgezeit zu vertraglich vereinbarten Kooperationen mit der Pädagogischen

Hochschule "Karl Liebknecht" in Potsdam und der Berliner Pädagogischen Zentralbibliothek. Auf dieser Grundlage konnte der Bestand an pädagogischen Dissertationen und an regionalkundlich bezogenen Hochschulschriften deutlich ausgebaut werden.

1972 kam es zur Gründung der Arbeitsgemeinschaft medizinischer Bibliotheken des Bezirkes Potsdam beim Bibliotheksverband der DDR. Die Leitung dieses Gremiums wurde der WAB (B) Potsdam angetragen. 1976 wurde zwischen den Abteilungen Kultur der Stadt und des Bezirkes, dem Bezirksarzt und der Bibliothek eine "Vereinbarung über die Wahrnehmung der Funktion der Medizinischen Bezirksbibliothek durch die Wissenschaftliche Allgemeinbibliothek des Bezirkes Potsdam" abgeschlossen. Größere Kolloquien und Informationsveranstaltungen wurden abgehalten, die Anleitung der Mitarbeiter von Patientenbibliotheken wurde ab 1987 übernommen.

Die WAB (B) Potsdam wurde durch ihre Funktion der fachlich-methodischen Anleitung der öffentlichen Bibliotheken des Bezirkes Potsdam, der Leitbibliotheksfunktion im Leihverkehr und der strukturellen Vereinigung mit der Kreisbibliothek Potsdam-Land zu einer Bibliothekseinrichtung, deren Ausstrahlung und Anerkennung weit über den Bezirk hinausging.

Die konsequente Umsetzung der Fusion brachte die Eröffnung des neuen Bibliotheksgebäudes im Oktober 1974 im Zentrum der Stadt.

Auf einer Nettonutzfläche von ca. 8 000 qm konnten alle bibliothekarischen Dienstleistungen für alle Zielgruppen untergebracht werden. Großzügige Freihandbereiche mit wissenschaftlicher und Fachliteratur, Belletristik, Magazinsofortausleihe, einem Informationszentrum mit Spitzenbeständen an Auskunftsmitteln sowie die integrierte Kinderbibliothek, die Artothek und die Musikbibliothek standen den Nutzern werktags von 9 - 20 Uhr und sonnabends bis 18 Uhr offen.

Auch das Netz von Zweigbibliotheken wurde weiter ausgebaut, so entstand 1984 im Erdgeschoß eines zentral gelegenen Hochhauses inmitten anderer Versorgungseinrichtungen die Lenné-Bibliothek im Stadtteil am Schlaatz. Im März 1985 wurde die Pablo-Neruda-Bibliothek in der Potsdamer Waldstadt eröffnet, in der es von Anfang an ein breites Spektrum von Veranstaltungen gab. Die größte Zweigbibliothek wurde im Dezember 1987 im Stadtteil am Stern eröffnet. Auf einer Fläche von 560 qm wurden 33 000 Bestandseinheiten untergebracht. Die 18 000 Einwohner des Stadtviertels machten von Beginn an regen Gebrauch davon.

In der Zeit zwischen 1972 und 1986 versorgte eine Fahrbibliothek mit zunächst 15 Haltepunkten die Stadtrandgebiete. Der Bus führte 5 000 Medieneinheiten mit und konnte auf ein Magazin von 25 000 Medieneinheiten zurückgreifen.

Um über die Bibliothek und ihre Dienste zu informieren, den Bekanntheitsgrad der Bibliothek und damit die Benutzung zu optimieren, wurde bereits Anfang der 70er Jahre mit einer offensiven Öffentlichkeitsarbeit begonnen.

Neben den traditionellen Formen wie Lesungen, Vorträge, Ausstellungen, Bibliotheksführungen gehörte eine intensive Pressearbeit und die Kooperation mit anderen Einrichtungen der Kultur, Bildung und Wissenschaft zum Tätigkeitsfeld. So sind beispielsweise nach Abstimmung mit Potsdamer Schulen, Einrichtungen der Berufsausbildung und der Pädagogischen Hochschule regelmäßig Einführungen in die Bibliotheksbenutzung durchgeführt worden.

Der Jahresbericht von 1979 weist 507 Bibliotheksführungen nach, davon 436 für die Zielgruppe der Schüler, Lehrlinge und Studenten. In der Bibliotheksarbeit mit Kindern und Jugendlichen beschritt die WAB (B) neue Wege. Neben den herkömmlichen Angeboten richtete sie für Kinder den "Kinder-Club", für Jugendliche den "Biblioclub der Jugend" und für junge Erwachsene den "Club 30" ein. In den Clubs trafen sich regelmäßig Literatur- und Kunstinteressierte.





Die Jahre 1992 - 1997

Die Stadt- und Landesbibliothek Potsdam



Die Bibliotheksentwicklung in Potsdam zeigt deutlich die enge Verbindung zu historischen gesellschaftlichen Ereignissen. Die Wiedervereinigung Deutschlands 1990 brachte der Bibliothek die kreative Chance, ein Bibliothekskonzept zu entwickeln, das aufbauend auf tradiert wahrgenommenen Aufgaben ein Leistungsangebot vorhält, welches die Vorteile einer Synthese aus öffentlicher und wissenschaftlicher Bibliothek weiterführt.

Mit dem Ländereinführungsgesetz, das im Juli 1990 in Kraft trat, wurde das Land Brandenburg neu gebildet. Wie in anderen Bundesländern üblich, war nun auch für Brandenburg die Schaffung einer Landesbibliothek relevant. Beste Voraussetzungen für diese Aufgabe erfüllte die WAB (B) Potsdam in Kontinuität.




Das Potsdamer Bibliotheksmodell

Nach teilweise kontroversen Diskussionen, in denen auch anderen Modelle gehandelt wurden, entschlossen sich das Land Brandenburg und die Landeshauptstadt Potsdam die WAB (B) Potsdam zur Stadt- und Landesbibliothek Potsdam zu profilieren. Im November 1992 unterzeichneten Stadt und Land die Vereinbarung zum "Betrieb der Stadt- und Landesbibliothek Potsdam" mit Rückwirkung zum 01.01.1992 als gemeinsame Unterhaltsträger. Diese Bibliothek hatte die 1874 und 1922 begonnenen Traditionen zu pflegen, die guten Effekte der 1969 erfolgten Fusion zu mehren und auf neuem Niveau eine zukunftsweisende Balance zwischen den Aufgaben einer öffentlichen und einer wissenschaftlichen Bibliothek zu finden. Die Vereinbarung und die Entwicklung einer neuen Organisationsstruktur waren jedoch erst der Startschuß zu einem weiten Weg. Im Startgepäck befanden sich u.a. 143 Personalstellen, 835.000 Medien, 7 Zweigbibliotheken, 12 Ausleihstellen. Das stärkste Potential waren hochmotivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Ohne Brüche und Entlassungen gelang es, in einem historisch kurzen Zeitraum von 5 Jahren gute Erfolge beim Aufbau eines den Nutzererwartungen entsprechenden, innovativ wirkenden und effektiv arbeitenden Bibliothekssystems zu erzielen. 52,5 Stellen wurden abgebaut, 294.480 Medien ausgesondert, 211.612 Medien neu angeschafft, sämtliche Ausleihstellen geschlossen, 6 Zweigbibliotheksstandorte aufgegeben und 4 neue eröffnet.

Mit ihrem derzeitigen Bestand von 700 000 Medieneinheiten gehört die Stadt- und Landesbibliothek zu den größten Bibliotheken Brandenburgs und liegt mit ihren 26 300 Benutzern, 922 000 Entleihungen und einer jährlichen Besucherzahl von 350 000 an der Spitze der Bibliotheken.

Der universale Bestand bietet vielfältige Möglichkeiten zur Aus- und Weiterbildung, zu außeruniversitärer Forschung und schulischer und beruflicher Fortbildung sowie Anregungen in den Bereichen Freizeit und Lebenshilfe.

Ein Haus in zentraler Lage, lange Öffnungszeiten, eine einheitliche Benutzeroberfläche für alle Angebote, engagiertes Fachpersonal unter einer Leitung, die Bündelung der finanziellen Ressourcen von Stadt und Land und ein strukturell gut durchdachtes Netz von Zweigbibliotheken, bieten beste Voraussetzungen für eine effiziente Bibliotheksarbeit.

1993 erhielt die Bibliothek eine neue Organisationsstruktur mit einem Referenten- und Lektorensystem. Unter einem Bibliotheksmanagement, der Direktion, der das Referat Öffentlichkeitsarbeit zugeordnet ist, arbeiten vier Abteilungen: Verwaltung / DV - Erwerbung / Erschließung - Landesbibliothek - Stadtbibliothek.

In der Abteilung Landesbibliothek wurden Fachreferate installiert.

Neben der Brandenburgica, dem Wissenschaftlichen Altbestand / Spezielle Sammlungen und der Medizin kamen die geisteswissenschaftlichen Fächer sowie weitere Dienste wie Informationszentrum, Leihverkehr / Verbund und Magazin / Magazinausleihe hinzu.

In der Abteilung Stadtbibliothek sind vorwiegend naturwissenschaftliche und technische Fachlektorate entstanden sowie Lektorate für Belletristik, Kinder- und Jugendliteratur, Musik, Videos und Artothek. Die Zuständigkeit für die Ausleihdienste und die Zweigbibliotheken obliegt ebenfalls dieser Abteilung. Die Arbeit der Referenten und Lektoren erfolgt in der Weise, daß der Bestandsaufbau je Fachgebiet sowohl aus landesbibliothekarischer als auch aus stadtbibliothekarischer Sicht vom zuständigen Mitarbeiter und damit aus einer Hand vorgenommen wird. Als Richtschnur für den Bestandsaufbau dient die 1996 fertiggestellte Bestandskonzeption und als ständiges Gremium die Fachreferenten- und Fachlektorenkonferenz.

Als Bindeglied zwischen beiden Bereichen ist die Abteilung Erwerbung/Erschließung angelegt mit den Funktionen Bestellwesen, Etatüberwachung, Inventarisierung, Zeitschriftenstelle, Formalerschließung, Koordinierung der Schlagwortvergabe, rückläufiger Geschäftsgang, Zugangs- und Bestandsstatistik.

Die Abteilung Verwaltung / DV trägt zum einen Sorge für alle technischen Belange, die Haushaltsdurchführung und ganz wesentlich liegt hier die Zuständigkeit für die Datenverarbeitung.

Die Abteilung "Methodik und Inspektion" wurde nicht mit in die SLB übernommen, sondern fungiert, wie in anderen Bundesländern auch, als Fachstelle für öffentliche Bibliotheken im Land Brandenburg.





Kontinuität und Wandel


Brandenburgica

Zu einer Neuprofilierung kam es im Sondersammelgebiet Brandenburgica. Es wird seit 1992 als Fachreferat geführt, das verantwortlich ist für die Pflege landeskundlichen Schrifttums, für die Pflichtmedien, die im Landespressegesetz von 1993 und nachfolgenden Rechtsverordnungen definiert sind sowie für die jährlich erscheinende "Brandenburgische Bibliographie". Der Bestand ist seit dem Jahr 1969 auf gegenwärtig 43 000 Medieneinheiten angewachsen.




Wissenschaftlicher Altbestand / Spezielle Sammlungen

Der 28 000 Bände umfassende Wissenschaftliche Altbestand der Bibliothek und die wertvollen historischen Sammlungen werden erstmalig ab 1992 als Fachreferat zusammengefaßt und geführt. Mit ihnen befindet sich in der Stadt- und Landesbibliothek der umfangreichste historische Universalbestand im Land Brandenburg. Es handelt sich dabei um Werke aus der Zeit seit Beginn des Buchdrucks bis zum Ende des 19. Jahrhunderts. Prominentestes Buch ist der 1493 erschienene "Marienpsalter", eine reichbebilderte Inkunabel, die als ältester in Brandenburg gefertigter Druck gilt. Den größten Teil, etwa zwei Drittel, nehmen Titel des vergangenen Jahrhunderts ein. Aus dem 18. Jahrhundert sind 7 939 Titel, aus dem 17. Jahrhundert 1 374 Titel, aus dem 16. Jahrhundert 212 Titel zu nennen.

Inhaltlich führen Titel zur Sprach- und Literaturwissenschaft vor Titeln zur Geschichte und deren Hilfswissenschaften.

Eine wissenschaftliche, bibliothekarische und publizistische Bearbeitung dieser Bestände erfolgt erst mit Gründung des Fachreferates.




Fachreferat Medizin

Der landesweite Versorgungsauftrag mit medizinischer Literatur blieb auch nach 1990 bestehen, da an den drei neu gegründeten Universitäten im Land Brandenburg keine medizinische Fakultät eingerichtet wurde. Seit 1992 dienen die Fördermittel aus dem Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen (MASGF) dem weiteren Aufbau von Spitzenbeständen für medizinische Einrichtungen des Landes, die Ärzteschaft und die Aus- und Fortbildung.

Seit 1991 steht die Datenbank MEDLINE als entscheidende Verbesserung der Recherchemöglichkeiten bereit. Das Deutsche Institut für medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) in Köln stellte die Erstausstattung zur Verfügung und bezahlte mehrere CD-ROM-Updates. Gegenwärtig liegt der Bestand bei 47 000 Monographien und 186 Zeitschriften.




Informationszentrum

Nach 1990 war der Bestand an Auskunftsliteratur nach Breite, Tiefe und Aktualität neu zu gestalten. Neben dieser teilweise erforderlichen inhaltlichen Neuformung des Bestandes kamen digitale Datenträger hinzu, die die gedruckte Ausgabe ersetzten (z. B. DNB, ZDB, HBZ, Serials directory. Neben der Auskunftstätigkeit wurde großer Wert darauf gelegt, dem Benutzer methodische Fertigkeiten bei der Literaturrecherche und Medienkompetenz zu vermitteln.

Im Informationszentrum sind z.Z. die Angebote an elektronischen Medien, PCs und Internet konzentriert.

Die SLB wird Zug um Zug zu einer modernen Informationsbibliothek ausgebaut, die immer mehr als Vermittler zu anderen Bibliotheken und Datenbanken tätig wird. Die traditionellen Zettelkataloge wurden mit Einführung elektronischer Kataloge bereits 1995 abgebrochen. Gleichzeitig wurde mit der Retrokonversion begonnen, durch die bisher 60 000 ME digital erfaßt wurden.

Ein entleihbarer CD-ROM-Bestand wurde aufgebaut. Das installierte CD - ROM - Netz macht es möglich, von einzelnen Arbeitsplätzen in verschiedenen Datenbanken zu recherchieren. Mit der Umstellung auf die neue Software HORIZON von Dynix wurden die technischen Voraussetzungen für den Anschluß an den Kooperativen Bibliotheksverbund Berlin-Brandenburg (KOBV) geschaffen.




Fernleihe

Von Anfang an waren die Landesbücherei und die Folgeeinrichtungen dem Leihverkehr angeschlossen. Der Leihverkehr wird durch die Leihverkehrsordnung (LVO) geregelt, die am 1. August 1993 in den Ländern Berlin und Brandenburg zeitgleich erlassen wurde. Beide Länder legten sich darin auf eine gemeinsame Leihverkehrsregion und einen gemeinsamen Zentralkatalog fest.

Die SLB Potsdam erhielt den Status einer Leitbibliothek. Das bedeutet, daß zur Zeit 19 Bibliotheken, die nur mittelbar zum Leihverkehr zugelassen sind, von der SLB Potsdam betreut werden.

Um diesen Aufgaben gerecht zu werden, wurde der Zugriff auf einen umfassenden bibliographischen Apparat und auf neue Kommunikationswege (online-ordering, Internet) erforderlich. Moderne Kopier-, Scan- und Faxtechnik wird mittelfristig angeboten, um eine schnelle und direkte Vermittlung angeforderter Informationen zu realisieren. Zur Verkürzung der Wartezeiten und zur Beschleunigung des Leihverkehrs trägt jetzt schon der Einsatz von Bücherwagendiensten bei.




Pädagogik

Nach Gründung der Universität Potsdam und ihrer Universitätsbibliothek 1991 veränderten sich die Anforderungen an das Sammelgebiet Pädagogiik grundlegend. Ein Fachreferat Pädagogik, Psychologie, Bibliothekswesen wurde eingerichtet. Der Anschaffungsschwerpunkt verlagerte sich zugunsten der Literatur für die Fortbildung der Lehrer und Erzieher in der täglichen Praxis.

Wissenschaftliche Monographien werden für den außeruniversitären Bereich u.a. zu den Gebieten Didaktik und Methodik der Unterrichtsfächer, zu Fragen des Schulmanagements sowie zu Berufs- und Sonderpädagogik vorgehalten. Das besondere Sammelgebiet "Das behinderte Kind in der Familie", 1980 eingerichtet, wird weiterhin gepflegt und in Auswahlverzeichnissen angezeigt.

Der Bestand des Fachreferates umfaßt 52 000 Titel und 40 laufend gehaltene Zeitschriftentitel.




Sammlungen

Seit 1992 sind bedeutende Sammlungen in den Besitz der Bibliothek gekommen. Die zweitgrößte Gottfried-Benn-Sammlung aus deutschem Privatbesitz gelangte 1994 ins Haus. Es handelt sich dabei um die Schenkung des Sammlers Fritz Wüllner, die 557 Titel Primär- und Sekundärliteratur aufweist und zu der eine umfangreiche Zeitungsausschnittssammlung sowie Schallplatten, Kassetten und Bilder gehören.

Der Nestor der Potsdamer Stadtgeschichte, Hermann Fellien, überließ der Bibliothek 1996 eine Auswahl der von ihm rekonstruierten und aufgearbeiteten Historischen Potsdamer Kartographie aus den Jahren 1317 bis 1988.

1997 erhielt die Bibliothek Teile des wissenschaftlichen Nachlasses des bedeutenden Denkmal- und Heimatforschers Prof. Dr. Friedrich Mielke. Die Schenkung umfaßt Bücher und Zeitschriften-Aufsätze zur Potsdamer Baukunst und Treppenforschung.

Ebenfalls 1997 übernahm die Bibliothek den künstlerischen Nachlaß des Malers und Graphikers Kurt-Hermann Kühn. Kühn wirkte viele Jahre im damaligen Bezirk Potsdam und ist Schöpfer des Wandbildes "Die Erben des Spartacus" in der Eingangshalle der Bibliothek. Der Nachlaß besteht aus 50 Bildern, Graphiken und Zeichnungen sowie Entwürfen zu den baugebundenen Arbeiten des Künstlers.

Aus den Beständen der Bibliothek wurde im Mai 1995 das besondere Sammelgebiet "DDR-spezifische Literatur" eingerichtet. Angestrebt wurde damit eine optimale Sicherung des vorhandenen Bestandes an DDR-Literatur, um bei der Aufarbeitung der Geschichte dieses deutschen Staates das erforderliche Material für Wissenschaft und Forschung bereitzustellen.




Öffentlichkeitsarbeit

Eingebunden in das Marketingkonzept der Bibliothek ist die Öffentlichkeitsarbeit. Wichtigstes Aufgabenfeld ist dabei die Presse- und Medienarbeit. Sie sichert die Kommunikation zwischen Bibliothek und Öffentlichkeit.

Um das vielfältige Programmangebot der Bibliothek abzusichern, sind Kooperation mit anderen Einrichtungen und Vereinen nötig. Ein Arbeitsfeld auf dem in den vergangenen Jahren viel Zeit investiert wurde. Verstärkt wurde zur Projektarbeit übergegangen, um verschiedene Quellen der Finanzierung zu nutzen. So haben sich für Kinder und Jugendliche feste Veranstaltungsreihen entwickelt, die mit bestimmten Partnern jährlich zu den unterschiedlichsten Themen durchgeführt werden. So z.B. die Kinder- und Jugendliteraturtage, die Märchentage, der Bücherfrühling.

In der Programmarbeit für Erwachsene spielt u.a. der landesgeschichtliche Aspekt eine wichtige Rolle. So wurde in Zusammenarbeit mit der Brandenburgischen Gesellschaft für Landesgeschichte und Denkmalpflege und der Landesgeschichtlichen Vereinigung für die Mark Brandenburg die Veranstaltungsreihe "Willkommen in Brandenburg" entwickelt. Die Lobbyarbeit der Bibliothek findet ihren bisherigen Höhepunkt in dem Projekt Buchpatenschaften, mit dem 40 000 DM von Privatpersonen und Einrichtungen für die Restaurierung gefährdeter Bücher aus dem Wissenschaftlichen Altbestand eingeworben werden konnten.




Zweigbibliotheken

Das Netz der vorhandenen Zweigbibliotheken konnte nicht gehalten werden. Aber es gibt neben den Schließungen der Zweigbibliotheken Babelsberg, Drewitz und Schlaatz auch hoffnungsvolle Neuanfänge. So konnte sich die Schulbibliothek Babelsberg in der Gesamtschule 21/31 etablieren und ihrer Funktion gemäß hervorragend entwickeln. Die neue Zweigbibliothek, die unter dem Namen Medienforum Kirchsteigfeld im November eröffnet wurde, wird mit ihrer komplexen Aufgabenstellung im Medien-, Informations- und Lernverbund gemeinsam mit der Volkshochschule Angebote für "lebenslanges Lernen" unterbreiten. Auch die Einrichtung des Angebotes der Sozialen Bibliotheksarbeit, abgesichert durch einen Zivildienstleistenden, konnte die Schließung der kleineren Einrichtungen abfedern.




Ausbildung

Die Ausbildung des beruflichen Nachwuchses sowie die Fortbildung der Mitarbeiter wird traditionell gepflegt. Alle Vorgängerbibliotheken waren in ihren jeweiligen Bibliothekssparten für die Aus- und Weiterbildung verantwortlich. Vom Jahr 1969 an wurden ständig Assistenten ausgebildet. Es gab Kurse zur Fortbildung nebenberuflich tätiger Gemeindebibliotheksleiter. Regelmäßig wurden auch hauptamtlich tätigen Bibliotheksmitarbeitern Fortbildungsangebote unterbreitet. Seit 1992 ist die Bibliothek zusätzlich Praktikumsbibliothek für Studenten des Bibliothekswesens und verwandter Fachrichtungen sowie für Schüler.







Epilog


Das spartenübergreifende Bibliotheksmodell der Stadt- und Landesbibliothek Potsdam wird wie keine andere Kultur- und Bildungseinrichtung von der Bevölkerung angenommen. In kooperativer Gemeinschaft mit den Bibliotheken der Region, mit Bildungsanbietern und kulturellen Veranstaltern ist sie auch eine Antwort auf sich verstärkende Sparzwänge.

Die Bündelung von Ressourcen und finanziellen Mitteln, die Konzentration auf primär wahrzunehmende Aufgabenfelder und die Fähigkeit, sich den neuen Anforderungen der Informationsgesellschaft zu stellen, gehört zum Erfolgsrezept.

Von heute aus betrachtet wirken die einzelnen Perioden der Bibliotheksgeschichte wie Wachstumsringe.

Tradition und Innovation sind in Einklang zu bringen und für die Phasen der Umprofilierung, in denen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über das übliche Maß hinaus gefordert wurden, ist an dieser Stelle Dank zu sagen.

Hohe Einsatzbereitschaft und die Motivation, sich neuen Aufgaben zu stellen, wird auch künftig den Weg dieser Bibliothek begleiten.





Quellen






Beiträge


Ohne die Beiträge von Mitarbeitern und Kollegen wäre diese Chronik nicht zustande gekommen.

Zu danken ist insbesondere der ehemaligen Direktorin der WAB (B), Frau Dr. Ilse Schumann und dem langjährigen Leiter der Abteilung Methodik und Inspektion an der WAB (B), Herrn Jürgen Kraft.

Mitarbeiter der Stadt- und Landesbibliothek unterstützten das Zustandekommen dieser Arbeit in vielen Gesprächen und durch schriftliche Beiträge:

Zeitzeugen:

Ina-Maria Treuter, ehemalige Bibliothekarin an der Landes- und Hochschulbibliothek und verantwortlich für den Beitrag über den Altbestand der SLB

in "Handbuch der historischen Buchbestände in Deutschland". Hildesheim: Olms- Weidmann, Bd. 16 Mecklenburg-Vorpommern bearb. von Gerhard Heit; Brandenburg, bearb. von Ina-Maria Treuter 1996

Waltraud Weber, ehemalige Bibliothekarin an der Landes- und Hochschulbibliothek

Redaktion: Gabriele Fischer, Rosemarie Spatz, Helmut Wittmann